Der dreijähriger Ausbildungslehrgang
Die Idee des Lehrgangs ist, einerseits einem enormen gesellschaftlichen Bedarf an Hilfe, Orientierung und Unterstützung
von Eltern und professionellen Pädagog/innen mit einem Angebot von qualifizierten Fachkräften zu begegnen; andererseits
einschlägig vorgebildeten Studenten/innen eine praxisorientierte postgraduale Ausbildung anzubieten, die ihnen ermöglicht,
qualifizierte Arbeit zu leisten. Gängige Ausbildungslehrgänge beziehen sich vorzugsweise auf heilpädagogische und
psychotherapeutische Praxisfelder, sodass der Bereich der pädagogischen Beratung entweder nicht abgedeckt oder von
dilletierenden Beratern/innen okkupiert ist. Drittens soll mit der Ausbildung zum/zur Psychoanalytisch-pädagogischen
Erziehungs-berater/in ein Raum geschaffen werden, in welchem sich die Psychoanalyse in ihrer pädagogischen Kompetenz
praktisch zu bewähren vermag, und diese Kompetenz möglichst vielen Eltern und Pädagogen zugute kommen kann.
Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung ist ein Praxisfeld angewandter Psychoanalyse, mithin ein Verfahren,
das im Hinblick auf die Beratenen – Eltern, Erzieher, Lehrer – keinen therapeutischen Anspruch (im psychoanalytischen
Sinn) stellt. Ausgehend von einem psychoanalytischen Verständnis intra- und interpersoneller seelischer Prozesse von
Eltern/Erziehern und Kindern, versucht der psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberater den Erwachsenen Orientierungen
für den Umgang bzw. die Beziehungsgestaltung mit Kindern zu geben, die insofern „pädagogisch“ sind, als sie sich vorrangig
an den Entwicklungsinteressen des Kindes (etwa im Sinne Anna Freuds, E. Eriksons, D.W. Winnicotts) orientieren.
Was das von H. Figdor entwickelte Wiener Konzept der Psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung darüber hinaus
auszeichnet, ist das besondere methodische Vorgehen, wie diese Orientierungen an die Eltern/Erzieher herangebracht werden
müssen, damit sie von diesen auch angenommen und praktiziert werden können. Denn obwohl wir aus psychoanalytischer Sicht
davon ausgehen müssen, daß ein großer Teil erzieherischer „Fehlhaltungen“ oder entwicklungsrelevanter Beziehungsprobleme
durch vorbewusste und unbewusste Motive (Ambivalenz, Übertragungen, narzißtische Projektionen, sexuelle und aggressive
Wünsche, Ängste...) gestützt werden, also auch der psychoanalytische Erziehungsberater sich mit unbewußten Regungen seiner
Klienten auseinandersetzt, unterscheidet sich sein Vorgehen doch grundsätzlich von dem der psychoanalytischen Kur*).
Daher ist der Lehrgang auch nicht als eine neue oder besondere Variante „psychoanalytischer Ausbildung“ zu verstehen:
Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberater machen etwas anderes als Analytiker und analytische Kinderpsychotherapeuten.
(Jedoch kann ihre Arbeit mitunter zu so bedeutsamen Veränderungen der inneren Haltungen von Eltern/Erziehern führen,
daß es dadurch zu „psychotherapeutischen Effekten“ bei den Kindern kommt.)
Die Arbeitsbereiche der Psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberater sind vielfältig: in der privaten Praxis, im
Rahmen von Gemeinschaftspraxen mit anderen Erziehungsberatern, mit Ärzten und Therapeuten, als Berater in pädagogischen
Institutionen (Kindergärten, Heimen...); als Mitarbeiter von Familienberatungsstellen; in der beruflichen Fortbildung
(Vorträge, Seminare, Supervision); im Rahmen der Volksbildung (Volkshochschulen); als Vortragende in Kindergärten,
Schulen, Selbsthilfeorganisationen; als mobile Erziehungsberater im ländlichen Raum; u.a.m.
Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß der Erwerb des Zertifikats zum „Psychoanalytisch-pädagogischen
Erziehungsberater“ lediglich einen Qualifikationsnachweis darstellt, jedoch keinen Rechtsanspruch auf bestimmte
Stellen oder Funktionen mit sich bringt. Die APP verpflichtet sich jedoch, dafür zu sorgen, den Lehrgang bzw. das
daraus entstehende Angebot an Psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatern österreichweit durch entsprechende
Aktivitäten und Veranstaltungen bei Personen und Institutionen, die als Zuweiser fungieren oder die Hilfe der Berater
in Anspruch nehmen könnten, bekannt zu machen.
Die Zielgruppe des Lehrgangs sind in erster Linie Absolventen oder Diplomanden von Studienrichtungen, welche den
Studierenden ein gewisses Maß an Vorbildung in psychoanalytischer und/oder psychoanalytisch-pädagogischer Theorie
bieten und in welchen (wenn möglich) auch einschlägige Praktika absolviert werden konnten.
Dementsprechend sind Absolventen und Diplomanden der Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Sonder- und Heilpädagogik,
die sich auf die „tiefenpsychologische Schiene“ spezialisiert haben (an der Universität Wien etwa die Lehrveranstaltungen
von Datler, Figdor, Gerber, Reinelt) besonders prädestiniert. In zweiter Linie Psychologen mit dem Schwerpunkt klinische
Psychologie/Tiefenpsychologie.
Literatur:
Figdor, H. (1995): Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung. Die Renaissance einer klassischen Idee. Sigmund
Freud House- Bulletin Vol. 19/2/B, 1995, S. 21-87.Wiederaufgelegt in APP - Schriftenreihe Bd.2, 1997
Figdor, H. (1999): Aufklärung, verantwortete Schuld und die Wiederentdeckung der Freude am Kind, In: Datler/Figdor/Gstach:
Die Wiederentdeckung der Freude am Kind, Gießen (Psychosozial) 1999
Figdor, H. (2000): Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung: der Ausbildungslehrgang. APP-Schriftenreihe Bd. 3
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Organisatorischer Rahmen
Dauer des Lehrgangs: 3 Jahre
Geschätzter wöchentlicher Arbeitsaufwand: mind. 12 Stunden
(Eine berufsbegleitende Teilnahme ist also möglich, jedoch anstrengend)
Fixtermin:
1 Vormittag (9.00–12.00) pro Woche, voraussichtlich Donnerstag; andere Termine können vereinbart
werden, ein Teil der Arbeitszeit besteht in individuellem Studium.
Beginn des nächsten Kurses: voraussichtlich Herbst 2006
Im Oktober 2002 hat der 4. Lehrgang begonnen. Aufgrund der beschränkten Kapazität der APP ist die
gleichzeitige Führung von mehr als einem Lehrgang nicht möglich. Allerdings wäre das auch nicht wünschenswert, weil
es uns wichtig ist, zwischen der Nachfrage und dem Angebot psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberater ein
Gleichgewicht zu erhalten, das den Ausgebildeten gute Arbeitschancen eröffnet.
Ausbildungskosten:
Die Grundkosten für den dreijährigen Lehrgang betragen € 7.920,-- . Die Bezahlung kann in
halbjährlichen Raten à € 1.320,-- (jeweils zu Semesterbeginn) oder monatlich über Einziehungsauftrag (€ 220,--) erfolgen. (Stand 2006)
Nicht darin enthalten sind die Kosten für:
die analytische Selbsterfahrung (mindestens 3 Jahre)
die Lehrberatung (ermäßigter Tarif )
die Baby-Observation (2 Jahre)
der Rorschach-Kurs
fallweise Einzel- oder Gruppensupervision auf Wunsch der Kursteilnehmer/innen (ermäßigter Tarif)
Mit der Aufnahme als Kursteilnehmer/in ist die außerordentliche Mitgliedschaft bei der APP verbunden. Der jährliche
Mitgliedsbeitrag für außerordentliche Mitglieder/Kursteilnehmer beträgt derzeit ( Stand 2002 ) € 44,-.
Leitung des Lehrgangs: Univ. Doz. Dr. Helmuth Figdor
Ausbildungsteam: Erziehungsberater/innen und wissenschaftliche Mitarbeiter der APP, sowie externe Fachleute
zu Spezialthemen.
Eine ausführliche Darstellung aller Ausbildungsmodule findet sich in der Nr. 3 der APP-Schriftenreihe:
Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungberatung. Der Ausbildungsweg. Die Broschüre können Sie gegen einen Unkostenbeitrag
von € 10,- (für Mitglieder € 5,-) (inkl. Porto) telefonisch (01/4030460)oder per E-mail:
APP-Wien.Sekretariat@gmx.at anfordern.
Für den Fall, dass Sie an einer Teilnahme am 5. Lehrgang (2006 ff) Interesse haben sollten, wenden Sie sich bitte an das
APP-Sekretariat telefonisch: (++ 43/1 40 30 160) oder per E-mail: APP-Wien.Sekretariat@gmx.at und lassen Sie sich in die
Interessentenkartei aufnehmen. Sie werden dann verläßlich von der
Ausschreibung und den Bewerbungsformalitäten, voraussichtlich im Frühjahr 2005, verständigt. Im Herbst 2005 erfolgt dann
das Aufnahmeverfahren, da wir pro Kurs nur 12 Teilnehmer/innen aufnehmen und sich erwartungsgemäß weit mehr melden werden.
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