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Psychoanalytische Pädagogik

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Eine Gründung der Sigmund Freud-Gesellschaft, des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse, und des Alfred Adler Instituts des Österreichischen Vereins für Individualpsychologie


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Hilfe bei Trennung bzw. Scheidung der Eltern oder Tod eines Familienmitglieds


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18 Empfehlungen für Eltern die sich trennen

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18 Empfehlungen für Eltern die sich trennen
und warum es so schwer ist, diesen Empfehlungen zu folgen.


Von Univ. Doz. Dr. Helmuth Figdor

Vor der Scheidung / Trennung

Erste Hilfe nach der Scheidung / Trennung

Empfehlungen für die Zukunft

Die Widerstände der Eltern zu diesem Empfehlungen



Möchte man die vielen psychologischen, sozialen und juristischen Aspekte elterlicher Scheidung bzw. Trennung in einem Satz zusammenfassen, so könnte man sagen: Die Scheidung/Trennung ist für alle Beteiligten eine schwere Lebenskrise und zugleich eine große Chance. Für die Erwachsenen eine Chance auf mehr Lebenszufriedenheit (alleine oder in einer neuen Partnerschaft) und für die Kinder die Chance auf bessere psychische Entwicklungsbedingungen (als in einem Konfliktmilieu).

Von da her stellt sich für Eltern natürlich die Frage, was sie tun können, um diese Chance auch nützen zu können. Die folgenden "Empfehlungen" sind nicht als Handlungsanweisungen zu verstehen, sondern sollen Eltern darauf hinweisen, worauf es ankäme, wobei darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass einige dieser Empfehlungen ohne professionelle Hilfe kaum umsetzbar sind, weil dafür pädagogisches oder psychologisches Spezialwissen über Kinder erforderlich ist (Erziehungsberatung, sozial-pädagogische oder therapeutische Kindergruppen). Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum es Eltern oft schwer fällt, das Richtige für ihre Kinder zu tun: Sie selbst befinden sich in einer so schwierigen emotionalen Situation, dass sie zunächst einmal Hilfe für sich selbst benötigen, bevor sie in die Lage kommen, ihren Kindern die notwendige Unterstützung geben zu können. Im Anschluss an die Empfehlungen sind die häufigsten dieser emotionalen "Widerstände" benannt, in welchen sich wohl viele Eltern wieder finden werden. Um sie zu bewältigen, stehen Ihnen die psychoanalytisch- pädagogische Erziehungsberater/Innen zur Verfügung.


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1. Teil: Empfehlungen

I. Vor der Scheidung/Trennung

1. Die Entscheidung für oder gegen eine Scheidung (Unter "Scheidung" verstehe ich im folgenden auch die (definitive) Trennung nichtverheirateter Eltern) sollte unabhängig von den Kindern getroffen werden!

Weder sollten Eltern nur der Kinder wegen zusammenbleiben, noch sollten sie die Zukunft ihrer Beziehung von den Wünschen der Kinder abhängig machen.
  • Konfliktreiche Beziehungen haben auf die langfristige psychische Entwicklung des Kindes zumeist schädlichere Auswirkungen als eine gute Trennung.
  • Unglückliche, unzufriedene Eltern sind selten gute Eltern.
  • Eltern sind für Kinder auch ein Modell in Hinblick auf die "Freude am Leben".
  • Es hat keinen Sinn, die Trennung wegen der Hoffnung hinauszuschieben, dass sie dem Kind ein, zwei Jahre später weniger ausmachen würde: Es gibt kein "ideales Scheidungsalter".



2. Den Kindern müssen die Gründe für die Scheidung verständlich, aber ehrlich erklärt werden!

  • Jede nicht gegebene Erklärung wird vom Kind durch eine Fantasie über die Gründe der Trennung ersetzt. Diese Fantasien sind jedoch fast stets beunruhigender, zumal die meisten Kinder die Schuld bei sich selbst suchen und somit Liebesverlust und/oder Vergeltung durch die Eltern oder einen Elternteil fürchten.
  • Häufiges Streiten ist nicht nur eine angstmachende Erklärung, sie ist auch falsch: Streiten gehört zu jeder (guten) Beziehung. Zur Trennung führt vielmehr das Ausbleiben liebevoller Versöhnung. Das aber ist die Folge davon, dass in der Liebesbeziehung etwas nicht stimmt: In den meisten Fällen handelt es sich dabei um verloren gegangene Liebe, sexuelle Probleme und/oder schwere Kränkung eines Partners.
  • Zur Erklärung der Scheidung gehört mithin immer auch Aufklärung über die besondere Natur der Mann-Frau-Beziehung. Bei der Formulierung dieser Erklärungen kann Erziehungsberatung hilfreich sein.
  • Günstig - um die Loyalitätskonflikte des Kindes nicht zu schüren (vgl. auch Empfehlung 7) - wäre eine gemeinsame Version von Vater und Mutter, falls sie sich mit gutem Gefühl auf eine solche einigen können.
  • Falls das nicht geht (ohne sich und dem Kind gegenüber unehrlich zu werden), gibt es noch eine Möglichkeit: Jeder Elternteil erzählt dem Kind seine Version und fügt hinzu, dass die unterschiedliche Version des anderen Elternteils nicht bedeutet, dass jener die Unwahrheit sagt: "Für mich ist/war es so, der Papa/die Mama hat es so erlebt!" Das erspart dem Kind, sich dafür entscheiden zu müssen, wer von den Eltern lügt und wer die Wahrheit sagt. Das mildert seine Loyalitätskonflikte und ist eine wertvolle Lektion über das Leben. (Auch bei dieser Art von Vereinbarung kann Erziehungsberatung, Paar- oder Familienberatung sehr hilfreich sein).



3. Eltern dürfen nicht darauf hoffen, dass die Kinder die ScheidungITrennung ohne massive Reaktionen hinnehmen könnten!

Gesunde Kinder müssen auf die Scheidung reagieren:
  • Angst (den Papa zu verlieren, vielleicht eines Tages auch noch die Mama), Wut, Schuldgefühle, Beschämung (gegenüber Dritten) und Trauer sind normale und unvermeidliche Gefühlsreaktionen der Kinder.
  • Kinder, die in der Wahrnehmung der Eltern "nicht reagieren", haben die gleichen Gefühlsprobleme, sie zeigen sie nur nicht.



4. Kinder, die keine sichtbaren Reaktionen zeigen, müssen ermutigt werden, ihre Gefühle (s. Empfehlung 3) auszudrücken!

  • andernfalls übersieht man ihre Not
  • andernfalls verschieben sie ihre Gefühle auf andere Lebensbereiche (Kindergarten, Schule) oder suchen geradezu im Alltag Konfliktanlässe
  • andernfalls unterliegen die Angst, Wut, die Schuld- und Schamgefühle und der Schmerz der Verdrängung, wodurch neurotischen Spätfolgen der Weg gebahnt ist

Auch dabei kann Erziehungsberatung sehr hilfreich sein.




5. Die Haltung der "Verantworteten Schuld" einnehmen.

Darunter ist eine innere Einstellung von Müttern bzw. Vätern zu verstehen, die sich etwa so ausdrücken ließe: "Ich konnte nicht anders bzw. weiß, dass meine/unsere Entscheidung langfristig auch für dich das Beste war (s. Empfehlung 1). Aber ich weiß auch, dass ich dir jetzt großen Schmerz zugefügt habe, und du ein Recht darauf hast, dass ich dir helfe. Diese Schuld kann ich ertragen, weil ich weiß, dass ich meine Entscheidung/mein Einverständnis zur Trennung im Hinblick auf dein künftiges Lebensglück verantworten kann."
Dann müssen sich die Eltern vor den Reaktionen der Kinder weniger fürchten und können auf sie eingehen, statt sie zu bekämpfen.

Eine solche Haltung lässt sich freilich nicht "verordnen", müssen dazu doch von den Eltern oft große emotionale Widerstände überwunden werden (s. 2. Teil).

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II. Erste Hilfe nach der Scheidung/Trennung


6. Den Kindern die Angst, an der Scheidung schuld zu sein, nehmen!

Fast alle Scheidungskinder haben Schuldgefühle, dass die Eltern sich ihretwegen trennten: weil sie zu schlimm, zu dumm, zu teuer sind u.a.m.



7. Die Kinder aktiv in ihren Loyalitätskonflikten entlasten!

Es ist wichtig, den Kindern immer wieder zu vermitteln, dass die Probleme, die zur Scheidung führten, aber auch die Auseinandersetzungen danach, Sache der Eltern sind, dass das Kind jedoch nach wie vor beide lieben darf und zu keinem von beiden halten muss (s. auch Empfehlung 9)



8. (Soweit wie möglich) Regression zulassen!

Die meisten Kinder fallen auf Grund ihrer Ängste (s. Empfehlung 3) in ihrer Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz, ihren Bedürfnissen und/oder Leistungen vorübergehend auf eine frühere, schon überwundene Entwicklungsstufe zurück. Sie brauchen das, um sich psychisch gewissermaßen wieder aufrüsten zu können.



9. Den Kindern die Angst, den Vater (Der sprachlichen Einfachheit halber bezeichne ich den "wegscheidenden" Elternteil als "Vater" und den Elternteil, bei dem die Kinder leben, als "Mutter".) (ganz) zu verlieren, nehmen! (Diese Forderung setzt natürlich voraus, dass der Vater den Kontakt zu den Kindern aufrechterhalten will bzw. dieser Kontakt für die Kinder nicht unmittelbar gefährlich ist (Alkoholismus, körperliche Gewalt, sexueller Missbrauch).

Eine fortgesetzte intensive, durch Loyalitätskonflikte möglichst unbelastete Beziehung zum Vater ist die wichtigste (wenn auch nicht einzige) Voraussetzung dafür, dass Kinder das Scheidungserlebnis gut verarbeiten und die Chance der Scheidung langfristig (ohne überwiegend negative Folgen) nützen können.
  • Dazu bedarf es eines möglichst einvernehmlichen Arrangements zwischen den Eltern über die Obsorge (Anteilnahme des Vaters, Information des Vaters über wichtige, das Kind betreffende Angelegenheiten, Gewährung erzieherischer Verantwortung für die Besuchszeiten),
  • eines Besuchsarrangements, das den Kontaktbedürfnissen der Kinder ebenso entgegenkommt wie den Kontakt- und Lebensbedürfnissen der Eltern.
  • Dabei ist eine gewisse Flexibilität (spontane Vereinbarungen) durchaus wünschenswert, das Mindestmaß der regelmäßigen Kontakte muss jedoch unbedingt fix geregelt sein.
  • Das Besuchsarrangement sollte sich nicht ausschließlich auf Wochenenden und Ferien beschränken, damit auch der Alltag (mit seinen Pflichten und Grenzen) in der Beziehung zwischen Kind und Vater Platz hat.
  • Bei Geschwistern sollte von Zeit zu Zeit auch die Möglichkeit bestehen, den Papa (ohne Bruder oder Schwester) allein für sich zu haben.
Für diese Vereinbarungen sollten sich die Eltern der Familien- oder Erziehungsberatung bedienen und in jenen Fällen, wo die Konflikte das Finden gemeinsamer Lösungen erschweren, der Hilfe von Mediatoren.



10. Den Kindern die Angst nehmen, eventuell auch noch die Mutter zu verlieren!

Die meisten Scheidungskinder sind auch in ihrer Beziehung zur Mutter erschüttert. Das nicht zuletzt dadurch, dass die Gefühlsreaktionen der Kinder v.a. ihre Wut und ihre regressiven Bedürfnisse unweigerlich zu Streit und Auseinandersetzungen führen. Diese halten sich zwar in Grenzen, wenn die Mutter die Haltung der "Verantworteten Schuld" (s. Empfehlung 5) einzunehmen vermag, und Regression zulassen kann (s. Empfehlung 8), lassen sich dennoch nie ganz verhindern. Dann ist es wichtig, erstens dem Kind die notwendigen Grenzen zu zeigen, ohne ihm für seine Übertretungswünsche oder derzeitigen Anpassungsschwierigkeiten böse zu sein; und zweitens Auseinandersetzungen mit einer ausdrücklichen Versöhnung, durch Versöhnungsrituale unterstrichen, zu beenden; dritten sollte man dem Kind bedeuten, dass es "momentan für uns beide eine schwierige Zeit ist..."



11. Den Kindern helfen, ihre Gefühle nicht nur zu zeigen (s. Empfehlung 4), sondern auch, sie allmählich in Worte fassen zu können!

Das bedeutet: immer wieder mit den Kindern über ihre Fragen und Gefühle reden. Besonders hilfreich sind in diesem Zusammenhang sozialpädagogische Gruppen für Scheidungskinder (z.B. "Rainbows", in Wien neben "Rainbows" auch die "Villa Kunterbunt").



12. Sich durch Symptome vor/während/nach den Besuchen des Kindes beim Vater nicht irritieren lassen!

Weigerungen, Gereiztheit und Aggressionen rund um die Besuche sind normal. Das Kind braucht Zeit, um angstfrei und ohne Wut akzeptieren zu lernen, dass die Beziehungsaufnahme bzw. Wiederaufnahme zum einen Elternteil immer eine Trennung von anderen erfordert. Keineswegs sollen aufgrund solcher Symptome die Besuche eingeschränkt oder gar eingestellt werden. Vielmehr wären die Empfehlungen 6 (Schuldgefühle) und 7 (Loyalitätskonflikte) zu überprüfen.



13. Falls Kinder den Kontakt zum Vater strikt verweigern:

Bis ca. 12 Jahre: Von der Besuchsregelung nicht abgehen!
Mit Hilfe von Erziehungsberatung nach Ursachen forschen (meist Schuldgefühle, Loyalitätskonflikte).
Ab ca. 13 Jahre: Ab der Pubertät sollten Besuchsarrangements nicht mehr ohne Mitbestimmung der Kinder erfolgen!



14. Empfehlungen speziell für Mütter.

Die Intensität der Beziehung zum Vater ist nicht nur für die langfristige seelische Entwicklung des Kindes wichtig (s. Empfehlung 9), sondern gewährleistet mittelfristig auch die Harmonie der Mutter-Kind-Beziehung.

Je intensiver die Beziehung zum Vater, desto geringer werden mittelfristig (nach den ersten Monaten der schwierigen Umstellung) die Alltagsschwierigkeiten zwischen Kind und Mutter ausfallen. Denn je exklusiver eine Zweierbeziehung ist, je geringer die Möglichkeit des Kindes, zwischen zwei Elternteilen zu "pendeln", desto höher wird auf die Dauer die emotionale Konfliktbelastung sein!



15. Als Mutter/Vater die eigene Krise anerkennen und sich helfen lassen!

Kinder in seelischen Krisen zu helfen, ist schwer genug. Geschweige denn, wenn man sich selbst in einer emotionalen, aber auch (v.a. die Mütter) ökonomischen und sozialen Krise (z.B. Isolation) befindet. In solch einer Situation ist die Annahme, man "müsse es allein schaffen" unangebracht und gefährlich. Erziehungsberatung, Paar- oder Familienberatung, Mediation, Gruppen für die Kinder, eventuell auch therapeutische Unterstützung für sich selbst oder als Paar- bzw. Familientherapie, sind angebracht und unbedingt zu empfehlen.
(Möglicherweise ist das überhaupt die wichtigste Empfehlung!)

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III. Empfehlungen für die weitere Zukunft




16. Keinesfalls sollte auf neue Partnerschaften der Kinder zuliebe verzichtet werden!

Neue Partnerschaften der geschiedenen Eltern gehören (neben der fortdauernden Beziehung zum Vater) zu den größten Chancen für die psychische Entwicklung von Scheidungskindern! Das gilt auch dann, wenn die Kinder neue Partner (zunächst) ablehnen. Wie die Scheidung (s. Empfehlung 1) sollten auch neue Partnerschaften unabhängig von den Kindern beschlossen werden.



17. Auch wenn die Mutter (der Vater) eine neue Partnerschaft eingeht, das Kind also einen Stiefvater (Stiefmutter) erhält, darf die Beziehung des Kindes zum leiblichen Vater nicht beendet bzw. vermindert werden!

Ein neuer Partner der Mutter - so bedeutsam er für die Kinder sein mag - ändert nichts an der Wichtigkeit der Beziehung des Kindes zu seinem leiblichen Vater. Das gilt auch dann, wenn die Kinder den neuen Partner akzeptiert haben und mögen:
  • Liebesobjekte sind nicht ersetzbar
  • Vor allem aber ist die Fortdauer der Beziehung zum leiblichen Vater für das Identitätsgefühl des Kindes und für sein verinnerlichtes Vertrauen in die Verlässlichkeit von Liebesbeziehungen entscheidend.



18. Empfehlung für die nicht-obsorgeberechtigten, "weggeschiedenen" Väter/Mütter:

Dem neuen Partner der Ex-Frau bzw. neuen Partnerin des Ex-Mannes gelassen begegnen und dem Kind bei der Beziehungsaufnahme helfen, statt seine (eventuelle) Opposition zu fördern! Fürchten Sie sich nicht vor Liebesverlust, vertrauen Sie auf die Liebe ihres Kindes (s. 2. Teil, Punkt 6).

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2. Teil: Die größten emotionalen Widerstände bzw. Probleme
von Eltern, diesen Empfehlungen auch wirklich folgen zu können

Das größte Problem besteht darin, dass diese Empfehlungen nicht nur eine Sache des Wissens oder Wollens geschiedener Eltern sind, sondern ihrer Befolgung zumeist gravierende emotionale Probleme der Eltern entgegenstehen. Die häufigsten seien nachstehend (in Thesenform) genannt:

1. Die Schuldgefühle angesichts des Leids der Kinder auszuhalten. (Vgl. auch die Empfehlungen 1, 3 und v.a. 5)

2. Die Wut auf den Ex-Partner insofern auszuhalten, als man nicht versucht, das Kind auf seine Seite zu ziehen.

Wird der Ex-Parnter abgewertet und schwer beschuldigt, fällt es dem Kind nicht nur schwer, beide weiter zu lieben (s. Empfehlung 7); da das Selbstgefühl des Kindes zu einem großen Teil aus unbewusst verinnerlichten Anteilen beider Eltern besteht, wird auf diese Weise das Selbst- und Identitätsgefühl des Kindes zerstückelt. Eine Hilfe gegen die (natürliche) Tendenz, das Kind für sich einzunehmen, ist es, wenn sich die Eltern sozial nicht abkapseln und somit psychisch weniger auf die Kinder (bzw. ihre einseitige Loyalität) angewiesen sind.

3. Die Enttäuschung und Wut aushalten, dass die Kinder den Partner, der mir so viel Leid angetan hat, dennoch weiter lieben und bewundern.

Dabei kann helfen, sich erstens zu vergegenwärtigen, dass die Kinder jene Erfahrungen, die mein Bild von ihm so veränderten, ja nicht machten; vor allem aber sich der Geschichte der Beziehung zu erinnern, nicht zu verleugnen, dass man diesen Menschen auch einmal liebte und er/sie nicht nur aus seinen schlechten Eigenschaften besteht.

4. Für Väter: Die (reale und unvermeidliche) Einbuße an Macht und Einfluss auf die Kinder (aber auch auf die Ex-Frau) hinzunehmen!

5. Für Mütter: Sich von der Idee zu verabschieden, den Ex-Mann aus dem eigenen Leben für immer verbannen zu können!

Sei es, dass diese Hoffnung an der finanziellen Abhängigkeit scheitert, sei es durch die Tatsache, dass der Ex-Mann für immer in der Gestalt der eigenen Kinder präsent bleiben wird; und zwar körperlich als auch durch deren Bedürfnis bzw. Anspruch auf Beziehung zu ihm.

6. Auf die fortwährende Bedeutung, die ich (als Vater oder Mutter) für das Kind habe und auf dessen fortwährende Liebe zu mir vertrauen zu können.

  • Die Schuldgefühle der Eltern (s. die Empfehlungen 1, 5 sowie im 2. Teil These 1) sowie die häufig aggressiven oder abweisenden Reaktionen der Kinder (s. Empfehlungen 3, 4, 1O, 12, 13, 15) lassen bei vielen Vätern und Müttern die Angst entstehen, nach dem Partner nun auch die Liebe des Kindes bzw. das Kind selbst zu verlieren.
  • Ein großer Teil der Konflikte geschiedener Eltern um Obsorge und Besuchsregelungen hat seinen Grund in diesen Befürchtungen.
  • Dabei handelt es sich um Ängste, die so gut wie immer völlig unrealistisch sind.
  • Das gilt auch für den Fall, dass der andere Elternteil eine neue Partnerschaft eingeht, und das Kind den neuen Partner/die neue Partnerin mag.


7. Es aushalten können, wenn sich das Kind über den anderen Elternteil beklagt, ohne sofort bei diesem zu intervenieren!

  • Dieses Sich-beklagen-Können hat eine wichtige, quasi therapeutische Funktion.
  • Dementsprechend verbinden die Kinder damit zumeist gar nicht die Absicht, dass ihrer Klage irgendwelche Interventionen folgen.
  • Es handelt sich dabei um ein ausgesprochenes Privileg von Scheidungskindern gegenüber Kindern aus "intakten" Familien, die auch immer wieder unter ihren Eltern leiden, aber darüber meist mit niemandem reden können.




Zusammenfassend könnte man das "pädagogische" Problem im Zusammenhang von Trennung und Scheidung - pointiert - folgendermaßen beschreiben:

Um eine Scheidung gut verarbeiten zu können, würden Kinder Eltern benötigen, die nach der Trennung so einfühlsam, geduldig, ausgeglichen, optimistisch und zuwendend sind, wie sie es im bisherigen Leben (die ersten Lebensmonate ausgenommen) nie sein mussten. Zur selben Zeit jedoch befinden sich die meisten Eltern in einer so schwierigen psychischen Situation, dass sie Kinder brauchen würden, die so ruhig, anspruchslos, loyal, seelisch gefestigt, vernünftig und selbstständig sind, wie sie bisher noch nie sein mussten.

In diesem Paradoxon liegt die eigentliche Gefahr der Scheidung/Trennung für die Kinder. Es ist nicht zuletzt das die Aufgabe der Erziehungsberater/innen der APP, Eltern bei der Bewältigung dieser Lebenskrise zu unterstützen, um ihnen dadurch zu helfen, auch emotional (wieder fähig zu werden, ihrerseits Kindern helfen zu können: Sei es nun in Form eines Seminars, einer Elterngruppe oder individueller Beratung. Zusätzlich stellen die angebotenen Gruppen für Kinder ("Villa Kunterbunt") eine weitere große Hilfe für alle Beteiligte - Kinder und Eltern - dar, die Trennung so zu gestalten, dass sie sich auf die Entwicklung der Kinder langfristig nicht nachteilig auswirkt und dass die Chance, die eine Trennung auch bedeuten kann zum Tragen kommen können.

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Seminare und Gruppen für Eltern


„Scheidung als Chance?“

Elterngruppen

Schwieriger Neubeginn

Trennung: „Wie machen wir es am besten?“

Ein – Tages – Seminar

Vorträge für Eltern: „Scheidung als Chance?“

Für Wen?
Mütter und Väter, die sich trennen wollen oder schon (länger) geschieden sind, neue Partner/innen der Geschiedenen, Personen aus der beruflichen Erziehungsarbeit

Vortragende: Mag. Thomas Feurle & Isabella Kainersdorfer

Inhalte:

1. Bin ich eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater, wenn ich mich scheiden lasse? Einige mutmachende Gedanken dazu, warum Kinder unter der Scheidung leiden müssen, und Eltern dieses Leid trotzdem verantworten können.

2. Gemeinsame Obsorge Was versteht man darunter ? Für und Wider!

3. Wie sollen wir unserem Kind beibringen, dass wir uns scheiden lassen? Über die Hoffnung vieler Eltern, die Trennung möge dem Kind nichts ausmachen.

4. Mein Kind ist unruhig, schläft schlecht, nässt ein, ist aggressiv, kann sich in der Schule nicht konzentrieren usw.. Was soll ich tun? Überlegungen dazu, wie seelisch gesunde Kinder auf die Trennung ihrer Eltern reagieren können.

5. „Erste Hilfe“. Seelische Sofortmaßnahmen von Eltern für Kinder.

6. Ich brauche nach der Scheidung Hilfe für mein Kind. Wo kann ich sie bekommen? Genauere Informationen über verschiedene Einzel- und Gruppenangebote für Kinder, die von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind.

7. Wenn Vätern die Besuche ihrer Kinder immer weniger Freude machen... Über häufige Stresssituationen von Vätern an Besuchstagen (auch für Mütter empfehlenswert)

8. „Der Papa hat schon wieder vergessen...“ Schwierigkeiten von Müttern mit Besuchsregelungen und Alltagsprobleme mit dem Ex- Partner (auch für Väter empfehlenswert)

9. Patchworkfamilie Über neue Familienformen – Chancen und Schwierigkeiten.

10. Die „böse“ Stiefmutter? Der „böse“ Stiefvater? Über kindliche Ängste bei der Bildung neuer Partnerschaften nach Scheidung oder Trennung.

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Elterngruppen

„Scheidung als Chance!“ Gruppen für Eltern in der Trennungskrise

Für Wen?
Das Angebot richtet sich an getrennte oder sich trennende Mütter und Väter, auch Stiefelternteile, jedoch nicht an getrennte Paare. Sollten beide Elternteile eine Gruppe besuchen wollen, werden verschiedene Gruppen angeboten.

Warum?
„Unglückliche Eltern sind selten gute Eltern!“ Das eigene Leid erschwert Müttern und Vätern in dieser schwierigen Lebenssituation die Einfühlung in die Bedürfnisse des Kindes. Einerseits bräuchte man als betroffener Elternteil ein „pflegeleichtes“ Kind, dem die Scheidung nichts ausmacht und das einen vielleicht auch noch tröstet. Andererseits muss ein psychisch gesundes Kind mit Angst, Kränkung, Wut, Schuldgefühlen und Trauer reagieren und bräuchte in dieser Krise die geduldigsten Eltern, die es je hatte. Doch in diesen stürmischen Zeiten sind sowohl Eltern als auch Kinder so hilfsbedürftig, dass sie nur schwer aufeinander Rücksicht nehmen können. Dann aber besteht die Gefahr, dass die Kinder nicht nur jene Unterstützung, die sie nach der Erschütterung der Trennung benötigen würden, nicht erhalten, sondern sich die Situation in den Wochen und Monaten, die der Trennung folgen, noch weiter verschärft.

Jede Scheidung/Trennung enthält jedoch auch Chancen für die weitere Entwicklung aller. Schlussendlich kommt es darauf an, ob wir mit guten oder schlechten Erfahrungen aus der Krise gehen. Und dazu braucht man manchmal fremde Hilfe, z.B. eine Beratung, Therapie usw. oder eben eine Gruppe.

Worum geht es in den Gruppen?
Die Gruppen „Scheidung als Chance!“ bieten Müttern und Vätern die Möglichkeit...
  • sich mit ihrem eigenen Erleben der Trennung (Wut, Trauer, Schuldgefühle, Angst, Erleichterung usw.) auseinander zu setzen;
  • beim „Zurecht-Finden“ in der neuen Lebenssituation von der Gruppe unterstützt zu werden;
  • die Auswirkungen der Scheidung auf die jeweilige Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Beziehung verstehen zu lernen;
  • Fragen zu den Scheidungsreaktionen der Kinder, Besuchsregelung, neuen Partnerschaften, dem Sorgerecht usw. stellen und klären zu können;
  • andere Personen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, kennen zu lernen und von der Gruppe ermutigt und motiviert zu werden;


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    Schwieriger Neubeginn

    Gruppen für Eltern anlässlich neuer Partnerschaften

    Für wen?
    Psychoanalytisch-pädagogische Gruppen für Mütter und Väter, die eine neue Partnerschaft beginnen möchten; für neue Partner von Frauen oder Männern, die Kinder in die Partnerschaft mitbringen; für Mütter und Väter, deren Ex-Partner eine neue Partnerschaft begonnen haben. Mit anderen Worten: eine Gruppe, in der die vielfältigen Probleme Platz finden sollen, die neue Partnerschaften, Stief- oder „Patchwork“ – Familien mit sich bringen. (Paare oder Ex-Paare sollen nicht in der selben Gruppe sein)

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    Trennung: „Wie machen wir es am besten?“

    Gruppe für Paare, die die Absicht haben, sich zu trennen.

    Im Gegensatz zu den anderen Gruppen, in denen zwar Mütter, Väter, ev. Stiefelternteile zusammenkommen, jedoch die (Ex-) Partner sich nicht in derselben Gruppe befinden, ist dieses Angebot für Eltern gedacht, die die Absicht haben, sich zu trennen und deren Beziehung noch so gut ist, dass sie die Trennung als gemeinsames Projekt betrachten können.

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    Ein – Tages – Seminar

    Scheidung und Trennung – Chancen und Risken für Kinder und Eltern

    Für wen?
    Ein psychoanalytisch-pädagogischer Seminartag für Eltern und interessierte Pädagogen/innen

    Im Zuge der hohen Scheidungs- bzw. Trennungsrate sind inzwischen tausende Kinder und Jugendliche direkt von der Scheidung oder Trennung der Eltern betroffen. Und in jeder Kindergruppe oder Schulklasse befinden sich Scheidungskinder. Wie können die Kinder die Trennung der Eltern erleben, wie darauf reagieren, wie damit umgehen? Manche Kinder werden „braver“, andere „schlimmer“. Was steckt dahinter?

    Wie geht es den Eltern? Welche Schwierigkeiten kann ihnen eine Trennung bringen? Wie können sie förderlich mit den (irritierten) Kindern umgehen? Was können sie für sich selbst tun, damit es ihnen besser geht? Kurz- und längerfristige Chancen und Risken einer Scheidung im Vergleich zur Erhaltung einer konfliktbelasteten Familie. Mögliche Hilfestellungen durch professionelle Helfer/innen.

    Informationen und Anmeldung:
    Mag. Thomas Weiss
    Tel.: 01/40 86 134

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    Einzelberatung für Eltern bzw. Elternteile und
    eventuelle neue Partner




    Außer im Rahmen der oben angebotenen Gruppen stehen die Psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberater/innen auch für Einzel- oder Paarberatung und für eine gründliche diagnostische Abklärung der Probleme der Kinder zur Verfügung.
    Zu diesem Zweck stehen den Eltern zur Zeit (Stand 2002) in Wien fünf, in Niederösterreich und im Burgenland jeweils eine Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatungsstellen zur Verfügung, in NÖ außerdem noch die Familienberatungsstellen des Vereins Ananas.

    Informationen:
    Siehe Adressen der Beratungstellen.

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    Gruppen für Kinder und Jugendliche mit Scheidungs-,
    Trennungs- und Verlusterlebnissen


    Die Scheidung oder die Trennung von Eltern, bzw. der Tod eines Elternteils stellt eine Veränderung für die gesamte Familie dar.

    Das „Zurecht-Finden“ in einer neuen, ungewohnten Lebenssituation ist von Verwirrung, Unsicherheit und Unklarheiten begleitet und lässt die Kinder unterschiedliche Gefühle wie Angst, Kränkung, Wut, Scham, Schuld und Trauer erleben. Das emotionale Gleichgewicht wird erschüttert, sodass die Kinder immer in irgendeiner Form auf derartige Lebenskrisen reagieren, wenn auch manchmal im Verborgenen, also nach außen hin nicht sichtbar.

    Wie individuell verschieden diese Reaktionen auch sein mögen, ob es sich um Verhaltensauffälligkeiten, depressive Verstimmungen, Rückzug, körperliche Beschwerden, Schulschwierigkeiten, Schlafstörungen, u.a.m. handelt, sie können vorerst einmal als normale gesunde Antworten auf Trennungs- und Verlusterlebnisse verstanden werden und dienen in diesem Sinne der Wiederherstellung der seelischen Balance.

    Ist es den Kindern und Jugendlichen jedoch nicht möglich ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden, können die erlebten seelischen Erschütterungen zum Ausgangspunkt von ernsthaften Beeinträchtigungen und Störungen der psychischen Entwicklung werden.

    Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, bieten wir mit den „Villa-Kunterbunt“ Gruppen Kindern, Jugendlichen und Eltern unsere Hilfe an.

    In den „Villa-Kunterbunt“ Gruppen gilt es, mit den Kindern einen Kompass zu finden und zu gestalten, der ihnen in diesen „Erlebens-Stürmen“ die Sicherheit geben kann, den Kurs in Richtung gesunde, glückliche Entwicklung zu halten.


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    Einzelbetreuung von Kindern


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    Besuchsbegleitung


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