Fachtagung 2015

Für’s Leben lernen wir …?

Was Kindergarten und Schule für die Persönlichkeitsentwicklung leisten (können).

Eine Fachtagung für PädagogInnen
am 25. April 2015

VHS Hietzing
1130 Wien, Hofwiesengasse 48

Liebe Erzieherinnen und Erzieher, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Auf den Feedback-Bögen der vorjährigen Fachtagung hat das berühmten Seneca-Zitat „Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir“ (Non vitae, sed scholae discimus) den größten Zuspruch gefunden ‒ eine Wahl, die uns sehr gefreut hat: Es ist die 10. Fachtagung der APP, und das Wunschthema der TeilnehmerInnen gibt uns Gelegenheit, diese Jubiläumstagung dem Kernanliegen der APP zu widmen: Heranwachsende so zu unterstützen, dass sie sich zu psychisch gesunden Menschen entwickeln können ‒ oder, im Sinne Sigmund Freuds: zu arbeitsfähigen, liebesfähigen [WU1] und glücksfähigen Menschen.
Natürlich hängt die Persönlichkeitsentwicklung in erster Linie von den Erfahrungen ab, die Kinder in ihren Familien machen. Und doch darf die Rolle von Kindergarten, Schule, Hort und anderen pädagogischen Institutionen nicht unterschätzt werden. Einen großen Teil des Tages befinden sich die Heranwachsenden nicht in ihren Familien; jenseits von Lehrplänen entwickeln sie in den Beziehungen zu den PädagogInnen wesentliche Teile ihres Selbstbildes (Leistungsvermögen, Beliebtheit …), verinnerlichen Modelle des sozialen Miteinanders u.a.m.
Darüber hinaus spielen private und familiäre Krisen in die Schule hinein: Armut, Krankheit, Gewalt, Trennung, Verlust. „Das Reden über Scheidung, Tod und andere Katastrophen ist Deutsch- und Mathematikförderung. Und die Auseinandersetzung mit der Eifersucht zwischen Geschwistern und Mitschülern zugleich politische Bildung“, wie es ein bekannter Wiener Pädagoge formulierte.
Schließlich thematisiert das Seneca-Zitat die Frage, ob Kindergarten und Schule die Heranwachsenden hinreichend auf die Herausforderungen ihres späteren Lebens vorbereiten bzw. wie weit eine solche Vorbereitung überhaupt ihre Aufgabe ist.

Die Tagung findet in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Psychoanalytische Pädagogik des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien statt.
 

Tagungsablauf im Überblick

9:00 Uhr

Eröffnung und Moderation: Mag.a Regina Studener-Kuras, MA

9:15 Uhr

„Ich seh’, ich seh’, was du nicht siehst, und das ist …!“ Über Inhalte, die Kindergarten und Schule unbemerkt vermitteln

Vortrag


Mag.a Edith Wladika, MA

10:30 und 14:00

Workshops  Achtung: Die Workshops werden am Nachmittag wiederholt! Tragen Sie sich bitte in zwei verschiedene Workshops ein.
Liste der Workshops siehe unten.

16:30 Uhr

Was sich gehört, was sich nicht gehört. Die Vermittlung von Werten und die Entwicklung moralischer Grundhaltungen – ausschließlich eine Sache der Familie?

Vortrag

Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor

Tagungsablauf im Detail

9:00 Uhr

Eröffnung und Moderation
Mag.a Regina Studener-Kuras, MA
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Universitätslektorin an der Universität Wien, Institut für Bildungswissenschaft/Arbeitsbereich psychoanalytische Pädagogik. Tätigkeit in freier Praxis im Bereich Entwicklungsdiagnostik, Beratung und Förderung. Supervision und Fortbildung von MitarbeiterInnen in pädagogischen Arbeitsfeldern zum Thema Spracherwerb und Migration

9:15 Uhr

Vortrag:

„Ich seh’, ich seh’, was du nicht siehst, und das ist …!" Über Inhalte, die Kindergarten und Schule unbemerkt vermitteln

Kinder verbringen nicht selten mit PädagogInnen mehr wache Zeit als mit sonst einem Menschen. Aber abgesehen von der vielen Zeit haben PädagogInnen in der Welt der Kinder auch einen ganz besonderen Status, eine ganz besondere Bedeutung. Diese beiden Aspekte legen nahe, dass Kinder aus der Begegnung mit ihren ErzieherInnen und LehrerInnen auch jenseits von Lehrplänen sehr viel lernen und für ihr weiteres Leben mitnehmen. Sie lernen auf jeden Fall sehr viel aus diesen Beziehungen. Worauf man abseits der direkten Wissensvermittlung noch achten könnte und was möglicherweise vermieden werden sollte, soll in diesem Vortrag ein wenig sichtbarer gemacht werden.
Damit es am Ende der Tagung vielleicht heißt: Ich kann sehen, was du siehst!

Mag.a Edith Wladika, MA
Klinische- und Gesundheitspsychologin, Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), langjährige Tätigkeit in freier Praxis und in unterschiedlichen institutionellen Settings (Schulpsychologie-Bildungsberatung, Wien/Families Foster Care, Pflegeelternverein, U.S.A./Kinderschutzzentrum, Stmk./Flüchtlingsberatung, Caritas Wien), seit 2007 im Zentrum für Entwicklungsförderung, Wiener Sozialdienste. Erziehungsberatung, psychologische Diagnostik, Entwicklungsdiagnostik, psychologische Behandlung von Kindern und Jugendlichen.

 

10:00 Uhr Pause
 

10:30 Uhr

Workshops Es stehen Ihnen 11 Workshops zur Auswahl. Die gleichen Workshops werden auch am Nachmittag angeboten. Bitte buchen Sie zwei verschiedene Workshops.

WS 1

Was lernen Kinder aus den Beziehungen in Kindergarten und Schule? Was sollten sie über Freundschaft, Liebe und Sexualität wissen?

- Mitdabeisein und Ausgeschlossensein
- „Du bist nicht mehr meine Freundin“ und „neben der besten Freundin sitzen“
- „Ich bin die Schnellste beim Einmaleins“ und „Ich kann gar nichts gut!“

Die Trennung von Mutter und Vater bzw. nahen Vertrauten ist ein Schritt in die große, fremde Welt – in die Institutionen Kindergarten und Schule. Mädchen und Buben haben vom Kindergartenalter bis zur Pubertät große Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Welche Lernziele für Beziehungen ergeben sich hier für Kindergarten und Schule?

Im Workshop wollen wir anhand der Entwicklungsaufgaben dem Aspekt der Kinderfreundschaften nachgehen. Welche Chancen und Möglichkeiten haben PädagogInnen, diese zu gestalten?

Mag. Thomas Feurle, MA
Pädagoge, Sonder- und Heilpädagoge, psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberater (APP)
Mag.a Inge Pröstler, MA
Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Tätigkeit in freier Praxis

WS 2

Was lernen Kinder über (den Umgang mit) Krankheit, Behinderung, Drogen … wenn sie selbst oder andere davon betroffen sind?

Ausgehend von der Diskussion der Titelfrage wollen wir uns im Rahmen dieses Workshops auch der Frage widmen, was wir uns denn wünschen würden, dass die Kinder über (den Umgang mit) Krankheit, Behinderung, Drogen … lernen und welche Erfahrungen wir ihnen wünschen. Daran anschließend stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten wir als PädagogInnen haben, in diese wünschenswerte Richtung Initiativen zu ergreifen.

Mag.a Natascha Almeder, MA
Pädagogin, Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP)
Mag.a Aya Boesch, MA
Sozialpädagogin, Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), tätig in freier Praxis

WS 3

Kann man aus Gewalt etwas lernen?

Immer wieder werden PädagogInnen damit konfrontiert, dass Kinder und Jugendliche von Gewalt, Übergriffen oder sexuellem Missbrauch betroffen sind. Neben der pädagogischen Arbeit dann auch angemessen zu reagieren und zu intervenieren, ist eine große Herausforderung. Im Wissen um die Folgen, die solche Erfahrungen für Heranwachsende haben können, möchten wir die uns anvertrauten Kinder schützen. Im Workshop wollen wir darüber nachdenken, ob in solchen schwierigen Situationen mitunter nicht auch eine Chance liegen könnte, Kindern neue, für ihre weitere Entwicklung wichtige Lernerfahrungen zu ermöglichen.

Mag.a Sandra Geisler, MA
Sozialpädagogin, Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), tätig in freier Praxis 
Mag.a Barbara Neudecker, MA
Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Psychotherapeutin (IP), Leiterin der Fachstelle für Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche, Lehrbeauftragte an der Universität Wien, eigene Praxis

WS 4

Sich selbst und andere verstehen lernen

Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass Menschen in höchst unterschiedlicher Weise über die Fähigkeit verfügen, sich und andere zu verstehen. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat innerhalb der Psychoanalyse, aber auch in angrenzenden Wissenschaften die Auseinandersetzung mit der Frage zugenommen, wie diese Unterschiede erklärt werden können und was dazu getan werden kann, damit in der Kindheit und Jugendzeit die Basis für die Entwicklung von „Verstehenskompetenz“ gelegt werden kann.

Im Workshop wird in diese Forschungen Einblick gegeben. Konzepte, die mit Begriffen wie „Spiegelneuronen“, „projektive Identifizierung“ oder „Mentalisierung“ in Verbindung stehen, werden erläutert. Überdies wird darauf eingegangen, welche Möglichkeiten Bildungseinrichtungen wie Kindergarten und Schule haben, um die Entwicklung von „Verstehenskompetenz“ zu fördern, und welche Bedeutung dabei der Aus- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen zukommt.

Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler
Leiter des Arbeitsbereichs psychoanalytische Pädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Psychoanalytiker und Lehranalytiker im Österreichischen Verein für Individualpsychologie. Stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychoanalytische Pädagogik. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Fragen im Grenz- und Überschneidungsbereich von Psychoanalyse, Pädagogik, Heilpädagogik und Psychotherapie.

WS 5

„Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ Wie beeinflussen Erfahrungen in Kindergarten und Schule die emotionale Einstellung zum „Anderen“, zum „Fremden“? Mit aktuellem Bezug zur Extremismus-Prävention


Welche Erfahrungen brauchen Kinder, um sich nicht fremd und abgelehnt zu fühlen?
Wie können wir im pädagogischen Alltag Einfluss darauf nehmen, dass Kinder „Fremden“ mit Neugierde und Offenheit statt mit Angst und Ablehnung begegnen?
Mithilfe von Fallmaterial und Gruppenarbeit versuchen wir, uns dem „Fremden“ anzunähern.

Mag.a Leila Ahmadi-Rinnerhofer, MA
Pädagogin und Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), eigene Praxis
Mag.a Vera Jandrisits, MA
Pädagogin und Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), mobile interdisziplinäre Frühförderin und Familienbegleiterin

WS 6

Psycholinguistische Aspekte des Verhältnisses von Muttersprache und Fremdsprache

Psychodynamische Prozesse, das Beziehungsgeschehen zwischen PädagogInnen, Kindern und deren Peergroup sind für den Verlauf von Lernprozessen bedeutsam.
Das Erleben von Begeisterung, Vergnügen, Halt und Trost unterstützt Kinder darin, nächste Entwicklungsschritte und Aufgaben zu bewältigen und erfolgreich zu meistern. In welcher Weise können diese Annahmen den Erwerb von Sprache unterstützen? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für die gemeinsame pädagogische Arbeit in Kindergarten und Schule mit jenen Kindern, die die Chance haben, mehrsprachig aufzuwachsen?
Welche Erfahrungswelt können wir Kindern eröffnen, wenn wir uns neben „Erst-, Zweit-, Mutter-, Vatersprache“ und Mehrsprachigkeit darum bemühen, im pädagogischen Alltag zu einer gemeinsamen Sprache zu finden?

Mag.a Regina Studener-Kuras, MA
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Universitätslektorin an der Universität Wien, Institut für Bildungswissenschaft, Arbeitsbereich psychoanalytische Pädagogik. Tätigkeit in freier Praxis im Bereich Entwicklungsdiagnostik, Beratung und Förderung, Supervision und Fortbildung von MitarbeiterInnen in pädagogischen Arbeitsfeldern zum Thema Spracherwerb und Migration.

WS 7

Trennung, Verlust und Tod: Lassen sich solche Schicksalsschläge in Kindergarten, Schule, WGs … verarbeiten? Kann man Heranwachsende darauf vorbereiten?

Es geht im Leben um Tausende kleinere und größere, scheinbar nebensächliche und auch bedeutungsvolle, einschneidende Abschiede, die uns vom ersten Lebenstag an begleiten. Was bedeutet jeder Abschied für unser Leben? Wie gehen wir damit um? Hat jeder Abschied auch etwas mit Trauer und Verlust zu tun? Wie gehen wir mit unserem endlichen Leben und dem Tod um? Alle Abschiede, jeder Verlust, jede Art von Trauer und der Tod gehören elementar zum Leben, sind Erfahrungen, die uns unsere gesamte Lebenszeit begleiten und auch prägen. Erfahren wir sie auch als ganz „natürliche“ Lebensereignisse? Welche Unterschiede gibt es zwischen uns Erwachsenen und den Kindern im Erleben von Abschied, Verlust, Tod und Trauer?

Zum Nachdenken: „Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied.“ (Rainer Maria Rilke)

Mag.a Dagmar Taferner
Klinische und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin i.A.u.S., Mitarbeiterin in der Boje und in freier Praxis

WS 8

„Angsthase, Pfeffernase morgen kommt der Osterhase“. Angst in der Entwicklung von Kindern

Mag.a Barbara Lehner, MA
Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP)
Mag.a Tanja Kraushofer, MA
Sozialpädagogin, Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Psychoanalytikerin i.A.u.S., Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Psychoanalytische Pädagogik, Beauftragte für Gewaltprävention der Caritas der Erzdiözese Wien, tätig in freier Praxis als Erziehungsberaterin, Psychotherapeutin und Supervisorin

WS 9

„Ist das wirklich ein unsriges Kind?“ oder „Teilen macht glücklich!“  Zum pädagogischen Umgang mit Armut, Delogierung und Hunger


„Hunger gibt’s doch nur in Entwicklungsländern“, „Armut gab es damals nach dem Krieg“ und „Von Delogierung lesen wir zwar in manchen Zeitungen, aber das betrifft niemanden hier“. Das sind häufige Annahmen und gehörte Statements.

Es soll der Frage nach dem Realitätsgehalt dieser Aussagen nachgegangen werden. Jeder, der spürt, wie unangenehm Gefühle der Scham, Würdelosigkeit, Hilflosigkeit, Angst, Ohnmacht und Verzweiflung sind, wird verstehen, warum die Aussagen so und nicht anders lauten (müssen).

Sollte es bei uns keine Armut geben, müssten wir eventuell unsere Kinder auch nicht darauf vorbereiten. Warum beschäftigen diese Themen aber so viele Kinder? Warum fragen sie danach, ob sie ihre Jause teilen dürfen, warum Karli immer so zornig wird, wenn sie ihr neues Spielzeug mitbringen, warum Susi immer kaputte Socken anhat ...?

Es stellt sich bald heraus, dass Armut jeden betreffen kann. Hinzu kommt, dass Kinder, die aus armen Verhältnissen kommen, zumeist die auffälligeren Kinder sind. Aber warum? Und was können wir tun, damit das Thema Armut überlebt und thematisiert werden kann. Zumeist haben wir erlebt, dass es wenig bringt, Eltern wiederholt zu sagen, dass sie ihren Kindern frische Socken anziehen, eine Jause mitgeben sollen ...

Hänsel und Gretel werden das Thema einleiten.

Mag.a Alexandra Horak, MA
Erziehungswissenschafterin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Sachverständige in den Bereichen Kindeswohl, Obsorge, Besuchsrecht und Freiheitsentzug von Menschen mit Beeinträchtigungen, tätig als stellvertretende Leiterin der Familiengerichtshilfe Wien sowie in freier Praxis, Lehrbeauftragte an der Universität Wien und der Pädagogischen Hochschule Wien, Kinderbeistand bei Gericht

WS 10

Welche Schule brauchen Jugendliche?

Die Schule, welcher Art auch immer, hat es nie mit „dem oder der Jugendlichen“ zu tun. Theorien über die Adoleszenz mögen allgemeingültig sein. Begriffe wie die „große innere Baustelle“, die Notwendigkeit einer umfassenden Neuorientierung, die Suche nach neuer Identität, die großen Fragen: „Wer bin ich, wer möchte ich sein, wer kann ich sein?“ mögen vertraut sein. Sie sind aber nicht ohne den jeweiligen soziobiografischen Hintergrund zu denken.
Wenn ein Lehrer, eine Lehrerin einer Klasse Jugendlicher gegenübertritt, so hat jede und jeder dieser Heranwachsenden schon eine individuelle Geschichte, wie Schule erfahren wurde. Erfolg oder Misserfolg, Vertrauen oder Rückzug, Anpassung oder Rebellion sind schon in jeweils individueller Form ausgeprägt.

Hinzu kommen wie bereits erwähnt familiäre und kulturelle Bedingungen. Wenn wir jetzt noch reale Gegebenheiten wie Klassengröße, Lehrpläne etc. dazudenken, erscheint die Frage: „Welche Schule brauchen Jugendliche?“ zu einfach gestellt – oder doch nicht?

Ich möchte einladen, in dem Workshop auf der Grundlage der psychoanalytischen Pädagogik Utopien zu denken, um dann vielleicht zu spüren, dass einiges von dem Erdachten gar nicht so utopisch ist und in die jeweilige Realität mitgenommen werden kann.

Monika Wandruszka, MA
Sozialpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Kinderbeistand bei Gericht, Mitarbeiterin der mobilen Arbeit mit Familien, Vortragende im Fortbildungszentrum für SozialarbeiterInnen und SozialpädagogenInnen

WS 11

Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung

„Was passiert eigentlich in der psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung? Muss man sich dort auf die Couch legen wie in der Psychoanalyse? Soll mein Kind mitkommen? Was, wenn mein (geschiedener) Partner nicht mitgeht? Wie lange dauert es, bis wir wissen, was los ist? Kann Beratung helfen, wenn die Eltern kommen müssen?“

Diese und ähnliche Fragen werden Ihnen im Alltag vielleicht schon gestellt worden sein, wenn Sie jemanden in die Beratung verweisen wollten, oder Sie haben sie sich vielleicht selbst schon gestellt.

Der Workshop bietet die Gelegenheit, Ihre Fragen zum theoretischen Konzept, zur praktischen Arbeit und zur Ausbildung zu thematisieren. Darüber hinaus lernen Sie den Ablauf einer „klassischen" psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung anhand einer Falldarstellung kennen.

Mag.a Irina Posteiner-Schuller, MA
Sonder- und Heilpädagogin, psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberaterin (APP), Tätigkeit in freier Praxis


12:30 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr

Workshops  Es finden die gleichen 11 Workshops wie am Vormittag statt (siehe oben). Bitte buchen Sie zwei verschiedene Workshops.

16:00 Uhr Pause
 

16:30 Uhr

Vortrag:

Was sich gehört, was sich nicht gehört. Die Vermittlung von Werten und die Entwicklung moralischer Grundhaltungen – ausschließlich eine Sache der Familie?

„Moralische Haltungen“ klingt nach pädagogischem Mittelalter. Sollten wir nicht froh sein, dass sich die pädagogischen Institutionen von heute auf wertfreies Bildungsgut konzentrieren?
Andererseits: Es gibt kein Handeln, keine Beziehungen ohne (bewusste oder unbewusste) Wertentscheidungen. Wäre so gesehen die Auseinandersetzung mit Werten nicht ein wesentlicher Teil von Bildung?
Aber selbst wenn dem so sei, ist das nicht die Aufgabe und das Recht der Familie?
Ist das Ansinnen, PädagogInnen sollten sich (mehr) um die Moral der Kinder kümmern, nicht wieder eine jener Ideen, Kindergarten und Schule mögen Defizite des Elternhauses kompensieren, also den Bildungsauftrag durch Sozialarbeit zu ersetzen?
Andererseits: Lässt sich überhaupt verhindern, dass unser Umgang mit den Kindern sowie der Umgang der Kinder untereinander von ihnen (auch) als (positive oder negative) Modelle erlebt werden?

Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor
Psychoanalytiker, Kinderpsychotherapeut und Erziehungsberater in eigener Praxis. Dozent an der Universität Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Ehemaliger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft psychoanalytische Pädagogik. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Problemen im Zuge der Scheidung und Trennung von Eltern, zu Erziehungsberatung und den Problemen des pädagogischen Alltags in Familie, im Kindergarten und in der Schule.

17:15 Uhr

Diskussion 
Mag.a Regina Studener-Kuras, MA (Moderation)

17:45 Uhr Abschluss der Tagung

Um an dieser Tagung teilzunehmen, sind zwei Schritte notwendig:


1. Anmeldung:
 

Sie haben die Möglichkeit, das nachfolgende Formular auszufüllen und uns per E-Mail zu schicken.
Sie können dieses Formular aber auch ausdrucken, ausfüllen und uns per Post oder per
Fax zusenden.
 

zum Anmeldeformular



2. Tagungsgebühr:

Bei Einzahlung bis zum 31. März 2015 beträgt die Tagungsgebühr € 55,‒ (für APP-Mitglieder/Studierende € 35,‒).
Bei späterer Einzahlung beträgt die Tagungsgebühr € 65,‒ (für APP-Mitglieder/Studierende € 40,‒).
Selbstverständlich haben Sie auch die Möglichkeit, die Tagungsgebühr an der Tageskasse zu bezahlen. (Es wäre allerdings für die Organisation der Tagung leichter, wenn Sie sich trotzdem rechtzeitig anmelden würden – vielen Dank für Ihr Verständnis.)

Die Anmeldung ist gültig, wenn die Tagungsgebühr von € 55,‒ vor dem 31. März 2015 bzw. von € 65,‒ nach dem 31. März 2015 auf dem

Konto Nr.: 1655024766, NÖ Hypobank, BLZ 53000, lautend auf APP,
BIC: HYPNATWW, IBAN: AT565300001655024766,

eingelangt ist.

Stornierung: Ab dem 31. März 2015 können keine Tagungsgebühren mehr rückerstattet werden – vorher behalten wir eine Bearbeitungsgebühr von € 15,‒ ein.
 

APP - Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalytische Pädagogik

Grundsteing. 13/2-4, A-1160 Wien, Tel.: +43/1 403 01 60, info@app-wien.at

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