Lehrgang Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung


Seit 1991 bildet die APP PädagogInnen in postgradualen Lehrgängen zu psychoanalytisch-pädagogischen ErziehungsberaterInnen aus. Der aktuelle 6. Lehrgang wird im Juni 2016 abgeschlossen, im Oktober 2017 startet der 7. Lehrgang.

Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung versteht sich als Praxisfeld angewandter Psychoanalyse: Ausgehend von einem psychoanalytischen Verständnis intra- und interpersoneller seelischer Prozesse lernen psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen, Eltern und professionellen PädagogInnen Unterstützung im Umgang und in der Beziehungsgestaltung mit Kindern zu geben, die insofern „pädagogisch“ ist, als sie sich vorrangig an den Entwicklungsinteressen des Kindes orientiert.

Das von Helmuth Figdor entwickelte Wiener Konzept der psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung ist vom besonderen methodischen Vorgehen geprägt, wie man Eltern, ErzieherInnen und anderen PädagogInnen bestimmte pädagogische Haltungen und Orientierungen so vermitteln kann, dass sie auch angenommen und praktiziert werden können.

Psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen unterscheiden sich in ihrer Tätigkeit von (Kinder-)PsychotherapeutInnen. Dennoch kann ihre Arbeit mitunter zu so bedeutsamen Veränderungen der inneren Haltungen von Eltern und ErzieherInnen führen, dass es dadurch zu „psychotherapeutischen Effekten“ bei den Kindern kommt.

Inhalte und Dauer des Lehrgangs

Der Lehrgang wird in einer geschlossenen Gruppe von maximal 12 TeilnehmerInnen geführt.

Der Lehrgang umfasst:

  • Theoriekurs

  • Literaturseminar

  • Infant-Observation

  • Praktische Übungen und Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen (abhängig von den individuellen Vorerfahrungen)

  • Rorschachkurs

  • Methodische Supervision

  • Balintgruppe

  • Einzelsupervision

  • Lehrberatung

  • Entwicklungspsychologie

Dauer:

Die Mindeststudiendauer beträgt 8 Semester, die vorgesehene Maximalstudiendauer, innerhalb welcher alle Module absolviert und die Abschlussarbeit approbiert sein sollten, 14 Semester.

Supervision

Ab dem 6. Semester können die KandidatInnen beginnen, unter Supervision als ErziehungsberaterInnen zu arbeiten.

Methodische Supervision

Nach Abschluss oder gegen Ende des Theoriekurses (eine Doppelstunde 14tägig). Die Teilnahme ist über zwei Semester verpflichtend, darüber hinaus freiwillig.

Balintgruppe (Gegenübertragungs-Supervision)

Möglichst parallel, spätestens aber nach Absolvierung der zwei Pflichtsemester methodischer Supervision, ist eine mindestens zwei Semester lange Teilnahme an einer Balintgruppe verpflichtend (ebenfalls eine Doppelstunde 14-tägig).

Einzelsupervision

Die Einzelsupervision von zumindest zwei Erziehungsberatungsfällen ist verpflichtend. Einer dieser Fälle ist schriftlich zu dokumentieren und bildet die Grundlage der Abschlussarbeit.

Vorträge, Gruppen, Seminare

Darüber hinaus müssen die Kandidaten (mindestens)

  • 2 öffentliche Vorträge unter Supervision halten;

  • an einer Erziehungsberatungsgruppe oder einem Workshop als Co-LeiterIn teilnehmen;

  • je eine Erziehungsberatungsgruppe und ein Fortbildungsseminar unter Supervision leiten.

Selbsterfahrung

Psychoanalytische Selbsterfahrung

Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats ist eine unabhängig von der Ausbildung absolvierte, mindestens drei Jahre dauernde psychoanalytische Selbsterfahrung in Form von Einzelanalyse bzw. psychoanalytischer Psychotherapie.

Lehrberatung

Auch die Lehrberatung ist eine Form von Selbsterfahrung. Indem sich KandidatInnen im Hinblick auf eigene Probleme im Umgang mit Kindern beraten lassen, erleben sie persönlich die Methode, die sie später anwenden werden. Für die Lehrberatung ist es erforderlich, dass die KandidatInnen mit einem Kind oder einer Gruppe relativ engen „alltagspädagogi­schen“ Kontakt haben. In Frage kommen z.B. eigene Kinder, Kinder aus der Verwandtschaft, Kindergruppen oder Schulklassen, wenn KandidatInnen als ErzieherInnen oder LehrerInnen tätig sind.

Infant-Observation, Balintgruppe

Auch Infant-Observation und Balintgruppe  zählen zur Selbsterfahrung.

Tätigkeit unter Supervision und Abschluss der Ausbildung

Nach Abschluss der theoretischen Ausbildung und dem Nachweis der zusätzlichen Qualifikationen erhalten die KandidatInnen ein Zeugnis, das sie zur Ausübung psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung in Ausbildung unter Supervision ermächtigt.

Nach Erbringung der Supervisions-Auflagen und der Approbation der Abschlussarbeit erfolgt die Verleihung des Zertifikats zum/zur psychoanalytisch-pädagogischen ErziehungsberaterIn. Mit dem Erwerb des Zertifikats ist die ordentliche Mitgliedschaft bei der APP verbunden.

Mit Verordnung des BM für Bildung, Wissenschaft und Kultur vom 7.2.2006 wurde der Lehr­gang als Masterlehrgang anerkannt. Da jedoch Ende 2010 das Gesetz über „Lehrgänge universitären Charakters“ ablief und es bis jetzt kein Nachfolgegesetz gibt, ist nicht abzusehen, ob der Erwerb eines Master-Titels in Zukunft möglich sein wird.

Zielgruppe

Der Lehrgang ist in erster Linie als postgraduale Ausbildung für PädagogInnen (Diplomstudium oder gleichwertiger Abschluss) und in zweiter Linie für PsychologInnen konzipiert, die sich schon während ihres Studiums nachweislich mit Psychoanalyse und psychoanalytischer Pädagogik beschäftigten. Bei der Anmeldung muss der Abschluss eines Master-Studiums während des Lehrgangs in Aussicht stehen.

Aufnahmekriterien

Abgeschlossenes Masterstudium Bildungs-(=Erziehungs-)wissenschaft bzw. vergleichbare Studien mit
Master-Abschluss oder höherwertigem Studienabschluss, wenn im Rahmen dieser Studien
Lehrveranstaltungen im Umfang von 30 ECTS zu Themen der Psychoanalyse /Psychoanalytischen
Pädagogik absolviert wurden, wie sie etwa in den Erweiterungscurricula Psychoanalyse (Grundlagen)
(15ECTS) und Psychoanalyse (Grundlagenvertiefung) (15 ECTS) an der Universität Wien angeboten
werden. Eine Aufnahme kann auch dann erfolgen, wenn der Abschluss des Masterstudiums während
der Laufzeit des Lehrganges zugesichert werden kann oder psychoanalytische/psychoanalytischpädagogische
Vorkenntnisse gemäß den Anrechnungsrichtlinien (siehe dazu die Ausschreibung)
nachgewiesen werden können.

Ausbildungskosten

Die Kosten für den 6-semestrigen Theoriekurs betragen € 11 280,- (€ 1880,-/Semester) und umfassen
das wöchentliche Seminar, sämtliche Wochenend-Blöcke und Abendvorträge sowie das
Literaturseminar. Kosten für die Infant-Observation, das Rorschach-Seminar, Supervision, Lehrberatung
und psychoanalytische Selbsterfahrung sind nicht enthalten.

Das Ausbildungsteam

Ausbildungsleitung: Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor, Mag.a Tanja Kraushofer, MA
Das weitere Team der Lehrenden setzt sich aus ErziehungsberaterInnen mit besonderen inhaltlichen Schwerpunkten der APP und externen ExpertInnen zusammen.

Bewerbung

Bei Interesse wenden Sie sich bitte per E-Mail oder telefonisch an das Sekretariat der APP und fordern die Bewerbungsunterlagen an.

Anmeldefrist läuft bis 30.6.2017

APP - Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalytische Pädagogik

Grundsteing. 13/2-4, A-1160 Wien, Tel.: +43/1 403 01 60, info@app-wien.at

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